Wir sind die Borg - Widerstand ist zwecklos...?
Geschrieben von zyklop   
Samstag, 8. November 2008
Sozialismus funktioniert nicht!

Wenn wir eins nach dem Zusammenbruch der kommunistischen Diktaturen in der ehemaligen Sowjetunion gelernt haben dann das: Sozialismus mag in der Theorie klasse sein, in der Praxis ist er totaler Schrott. Wer hart arbeitet und sein Geld vedient, der möchte sich dafür auch Dinge kaufen, die ihm Freude machen. Zum Beispiel einen Gameserver. Ein eigener Gameserver bietet die Möglichkeit, mit Freunden oder im Clan gemeinsam ein Koop-Game zu zocken - und zwar genau auf der Hardware, für die man teuer bezahlt hat. Doch diese "kapitalistische" Denkweise scheint Valve ein Dorn im Auge zu sein, was umso mehr erstaunt, als man in der Vergangenheit mittels Steam nun wirklich keine Gelegenheit ausgelassen hat, fleissig die Cash-Kuh zu melken. Doch bei Left4Dead scheint alles anders zu sein: Zwar will man weiterhin das Spiel selber den Kunden teuer verkaufen, wenn es aber darum geht, diesen dann auch zu ermöglichen, das Spiel so zu nutzen, wie man das möchte, nämlich im Koop-Modus auf einem eigenen Gameserver, dann ist plötzlich Schluss mit Marktwirtschaft. Statt dessen plant Valve, jeden Gameserver weltweit, der von Privatleuten für Left4Dead installiert wird, zwangsweise in einen gemeinsamen Pool zu werfen. Valve entscheidet dann willkürlich, wer auf welchem Server Left4Dead spielen darf - völlig egal, welchen Server man sein eigen nennt und bezahlt!
Klingt verrückt und unglaublich? Tja - dumm gelaufen, das ist leider kein verspäteter Aprilscherz. Auch wir haben zuerst nicht glauben wollen, mit welcher Dreistigkeit Valve versucht, Kunden (nichts anderes sind ehrliche Käufer einer Gamesoftware) zu zwingen, ihrer neuentdeckten, sozialistischen Traumwelt beizutreten. Erste Infos darüber behandelten wir mit Vorsicht und warteten mit einer eigenen Stellungnahme, da wir davon ausgingen, das es sich um ein Mißverständnis handeln müsse. Aber die Demo, die seit gestern verfügbar ist, hat die schlimmsten Befürchtungen wahr werden lassen. Abgesehen davon, das Left4Dead offensichtlich längst noch nicht Marktreif ist und vor allem im Koop nur so vor Bugs strotzt, ist vor allem das Server-Sharing-Prinzip eine einzige Katastrophe. In der Tat hat kein Spieler, der sich einloggt, Kontrolle darüber, auf welchem Server er letztlich spielt. Es gibt auch keine Möglichkeit, manuell den eigenen Server anzuwählen, zu kontrollieren, Freunde für eine Left4Dead-Runde auf den eigenen Server einzuladen oder Fremde zu kicken. Auch der eilig hinterhergeschobene Patch, der mit etwas Fachwissen zumindest ermöglicht, statt der automatischen Zuteilung eine Liste der verfügbaren Server anzuzeigen, um so gezielt einen anzuwählen, nützt in der Praxis gar nichts. Statt dessen bekommt man zumeist Fehlermeldungen oder das Spiel friert ein. Es nützt nicht mal was, den eigenen Server per Passwort zu schützen, da dieses nutzlos ist. Versucht man, den Server manuell zu rebooten, um sich danach direkt einzuloggen, muss man frustriert feststellen, das Valve in der Zwischenzeit bereits über das eigene System dort wildfremde Spieler abgeladen hat - trotz Passwort-Sperre!
Angeblich hat Valve in der Zwischenzeit einen weiteren Patch zurechtgemurkst, der es mit viel Handarbeit und Tricks ermöglichen soll, doch noch private Server zu erstellen und so die Demo irgendwie spielbar zu machen - wir werden das in den nächsten Tagen in Ruhe testen und darüber berichten.
Sollte Valve bei dem jetzigen System bleiben, das es Besitzern von Gameservern nicht erlaubt, diese auch gezielt selber zu nutzen, dann können wir keinem Spieler empfehlen, einen Left4Dead-Gameserver auf eigener bzw. gemieteter Hardware laufen zu lassen.  Gängelung, Drangsalierung und die zwangsweise Kollektivierung mag bei den Borg funktionieren - aber sicher nicht bei Valve-Kunden. Insofern ist Widerstand durchaus nicht zwecklos!

Quellen:
ars technica
rockpapershotgun
left4dead411
 
< Zurück   Weiter >
© 2017 Left4Dead.de
Joomla! is Free Software released under the GNU/GPL License.